Was Hänschen nicht gelernt hat – kann Hans durchaus lernen

Neuroplastizität, d.h. die lebenslange Veränderungsmöglichkeit unserer Hirnprozesse des Denkens und der Verarbeitung haben diesen alten Grundsatz widerlegt.

Zu wissen, dass wir uns ein Leben lang nicht nur mit neuen Dingen beschäftigen können, Neuroplastizität- Gehirnsondern auch neue Dinge durchaus lernen können und bestehendes Wissen und bestehende Denkmuster verändern können, ist wichtig für ein modernes Verständnis von Coaching, Beratung und Personalentwicklung. Und damit nicht zuletzt auch wesentlich für die Themenbereiche Führung und Unternehmensführung.

In einem interessanten Artikel der TheHuffingtonPost.com (06-2016 s.u.), der leider bisher nur in Englisch erschienen ist, sind die wichtigsten Fakten zusammengefasst, die den heutigen Stand des Wissens über Neuroplastizität und Demenzvorsorge zusammenfassen. An dieser Stelle bieten wir Ihnen eine, bestimmt nicht im letzten Detail korrekte, freie Übersetzung aus dem Englischen und verweisen ausdrücklich auf die Originalquelle.

20 wichtige Fakten zum aktuellen Stand der Neuroplastizität und Vorsorge von Demenzerkrankungen

  1. Die Denk- und Verarbeitungsprozesse unseres Gehirns sind durchaus vielschichtig. Vor allem sind sie nicht in Einbahnstraßen zu denken. Unser Hirn kann weit mehr Prozesse gleichzeitig verarbeiten als bisher angenommen. Unser Gehirn besteht nicht nur aus Aufmerksamkeit und Gedächtnis und den üblichen Kategorien.
  2. Gene bestimmen nicht das unserer Schicksal, sondern die Grundveranlagung unseres Gehirns. Unsere Lebensstile sind aber mindestens ebenso wichtig, wie die genetische Veranlagung. Durchaus kann man annehmen das unsere Lebensstile und die Nutzung unseres Gehirns sogar noch einen wichtigeren Einfluss auf die Funktionalität (Neuroplastizität) unseres Gehirns haben als die genetische Determinierung.
  3. Abwechselnde Herausforderungen unterstützen die Entwicklung und Leistungsfähigkeit unseres Gehirns.
  4. Soziale Interaktion und kognitive Herausforderung, verbunden mit körperlicher Bewegung und einer gesunden Ernährung in Form der Mittelmeer Diät erhöhen die Leistungskapazität des Gehirns und beugen dementen Alterungserscheinungen vor.
  5. Sport und sportliche Übung erhöhen die Neuroplastizität des Gehirns. Eine bessere Durchblutung sorgt nicht nur für eine bessere Versorgung mit Sauerstoff, sondern auch für ein hormonell bedingtes Wachstum.
  6. Kardiosport tut dem Gehirn gut. Tennis, Skifahren oder Basketball sind gute Sportarten zur Verbesserung der Hirnvitalität. Dreimal die Woche Sport, zwischen 30 und 60 Minuten sind dabei ein ideales Maß.
  7. Mentale Stimulation stärkt die Verbindung zwischen den Neuronen. Mentale Stimulation meint hier die Stimulation der verschiedenen Sinnes- und Erfahrungsbereiche. Ideale neuronale Stimulation bildet Entwicklungsreserven und schützt so das Gehirn vor pathologischen Prozessen der Altersdemenz.
  8. Routinetätigkeiten fordern das Gehirn nicht heraus und fördern nicht die weitere Entwicklung und Neuroplastizität.
  9. Die bisher einzig bekannte Freizeitaktivität, die zu einer Reduzierung der kognitiven Funktion des Gehirns führt, ist der Fernsehkonsum.
  10. Gehirntraining, die Zellen feuern lassen und miteinander verdrahten, beflügeln das Gehirn.
  11. Das Gehirn braucht viel Energie: So verbraucht es 50 % des dem Körper zur Verfügung stehenden Sauerstoffs und 10 % der Glukose.
  12. Die sogenannte Mittelmeerdiät, ergänzt mit Oliven, Öl und Nüssen vermindert das Risiko kognitiver Abbauprozesse.
  13. Moderate Dosen von Koffein erhöhen die Wachsamkeit. Wobei es keine belastbaren Aussagen dazu gibt, in wieweit Koffein die Gesundheit insgesamt beeinflusst.
  14. Moderater, gemäßigter Alkoholkonsum scheint das Risiko von Demenz zu senken.
  15. Die Einnahme von „hirnunterstützenden Ergänzungsmitteln/aufmerksamkeitsfördernden Medikamenten“ scheint keine besondere Auswirkung sowohl für die aktuelle Hirnkapazität, wie auch im Hinblick auf die Reduzierung von langfristigen Demenzprozessen zu haben.
  16. Je größer und je komplexer eine Person sozial interagiert und vernetzt ist, umso größer ist die Amygdala (diese spielt eine wichtige Rolle für unser gesamtes Verhalten und vor allem für unsere Motivation). Aktuell lässt sich nicht beurteilen, ob es einen Unterschied zwischen „online“ und „offline“ Netzwerkverbindungen im sozialen Kontext gibt.
  17. Chronischer Stress reduziert nicht nur situativ die Leistungsfähigkeit und damit die Neuroplastizität, sondern dieser kann die Hirnentwicklung auch langfristig negativ beeinflussen. Insbesondere werden davon die Gedächtnisfähigkeit und die kognitive Flexibilität in Mitleidenschaft gezogen.
  18. Es gibt klare Beweise, dass Meditation und Biofeedback effektive Mittel zur Selbstregulierung physiologischer Stressreaktionen bieten.
  19. Es wird keine Wunderpille geben, welche die Leistungsfähigkeit und den Schutz vor Altersdemenz bieten. Stattdessen ist es wichtig unser Hirn auf verschiedenen Ebenen zu stimulieren, zu trainieren und ideal zu versorgen. Dies meint einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Ernährung, das Stressmanagement physiologische und geistige Übung und Training meint.
  20. Es wird wichtig sein zu verstehen, dass es nicht “das universelle Gehirn” gibt, sondern dass unsere Gehirne individuelle Bedürfnisse haben mit entsprechenden Prioritäten für die Entfaltung der jeweiligen Neuroplastizität.

Originalartikel und Quelle: Copyright © 2016 TheHuffingtonPost.com

http://www.huffingtonpost.com/alvaro-fernandez/20-mustknow-facts-to-harn_b_10590748.html